Alexander Schwab Landesgeschäftsführer der Vereinigung freischaffender Architekten Deutschland - Landesgruppe Bayern

TTIP, das europäisch-US-amerikanische Freihandelsabkommen, und die VfA

Alexander Schwab Presse und Internationales, VfA Mitte

Die Zeit der Geheimniskrämerei und der daraus entstandenen Verdächtigungen scheint vorbei zu sein. Langsam lichtet sich der Nebel und es gibt konkretere Informationen zu Ablauf, Struktur und Inhalten von TTIP.

 

Bei einem Gespräch des Vorstandes der Bayerischen Architektenkam- mer am 11.3.2015 mit der Bundestagsabgeordneten Claudia Tausend, die Mitglied des Spiegelausschuss zu der EU-Verhandlungskommission ist, stellte sie fest, dass wegen der zahlreichen noch offenen Punkte und den Wahlen sowohl in den USA als auch danach in Deutschland und den sich daran anschließenden Regierungsbildungsphasen realistisch mit einem Abschluss der Verhandlungen nicht vor 2018 gerechnet werden kann. Deshalb bestehe, auch wenn es anderslautende Politiker aussagen gebe, keinen Grund zur Panik.

 

Die VfA als Architektenvereinigung kann in dieses weite Feld nur insoweit einsteigen, als es unsere Berufsausübung direkt betrifft. Aus Rücksicht auf die Vielfalt der politischen Meinungen und Haltungen in unserer Vereinigung wollen wir als VfA zu den vielen anderen Punkten, die in diesem Freihandelsabkommen geregelt oder am Schluss auch nicht geregelt werden, nicht Stellung zu nehmen.

 

Allerdings teilen wir die Sorgen des Deutschen Kulturrates, in dem die VfA mit unserem Kollegen Matthias Burkart vertreten ist. Diese Sorgen betreffen u.a. Fragen der staatlichen Förderung von Kunst und Kultur, der Buchpreisbindung, der Baukultur und der Privatisierung von Schiedsgerich- ten bei Investitionsschutzklagen.

 

Was die rein berufspolitischen Aspekte angeht, möchte ich Ihnen sehr den Vermerk zum aktuellen Verhandlungsstand von TTIP vom 20.3.2015 von Frau Bartsch, der Vertreterin der BAK in Brüssel, empfehlen. Lesen Sie dazu auch den sehr informativen Artikel „Chlorhuhn und Baukultur“ im aktuellen DAB 03/15 auf Seite 33.

 

Quintessenz für unseren Berufsstand ist, dass es für US-amerikanische Architekten relativ leicht ist, in Europe tätig zu werden. Umgekehrt sind die Hürden für europäische und damit auch deut- sche Architekten in den USA sehr hoch.

 

Verhandlungen zwischen ACE (also dem europäischen Architektenverband) und den beiden gro- ßen US-amerikanischen Architektenverbänden NCARB und AIA, die seit 15 Jahren laufen, treten auf der Stelle. Das ist bei den ungleichen Marktzugängen leicht nachzuvollziehen. Eine Verbesserung der Chancen für deutsche Architekten scheint im Moment eher im Rahmen von TTIP möglich zu sein.

 

Ihr Alexander Schwab

 

Dipl.-Ing. Univ. Alexander Schwab
Vizepräsident der VFA und
Geschäftsführer der Landesgruppe Bayern