Haftung des Architekten bei Ausführungsänderung

Redaktion Steuer und Recht, VfA Mitte

astner Entscheidet sich der Bauherr während der Planungs- oder Ausführungsphase für eine andere Ausführungsvariante und passt der Architekt seine Planung hieran nicht konsequent an, so haftet der Architekt.

Mit Beschluss vom 11.06.2015 (Az.: VII ZR 112/13) bestätigte der Bundesgerichthof das Urteil des OLG München vom 26.03.2015, in dem die Richter in diesem Fall eine Architektenhaftung als erwiesen ansahen.

Der Architekt war im konkreten Fall mit der Planung und Überwachung betraut. Für den Dachaufbau hatte er in seiner Planung ursprünglich eine Dampfsperre unter Verwendung von OSB-Platten vorgesehen. Die Berechnung von Wärmedämmung und Dampfdiffusion erfolgt durch einen vom Bauherren beauftragten Unternehmer im Rahmen eines „Sponsoring-Vertrages“. Ein Fachplaner für thermische Bauphysik wird nicht mit zugezogen. Während der Bauphase entscheidet sich der Bauherr für eine Dampfbremse statt einer Dampfsperre. Die OSB-Platten werden trotzdem verbaut. Eine diesbezügliche Umplanung durch den Architekten erfolgt nicht und auch ein Fachplaner wird nicht hinzugezogen. Nach dem Eintritt von Schäden am Dach wird gutachterlich festgestellt, dass die OSB-Platten bei einer Dampfbremse nicht hätten geplant und verbaut werden dürfen.

Die Richter sahen gleich mehrere Pflichtverletzungen des Architekten und verurteilten ihn zum Schadensersatz.
Im Rahmen seines Architektenvertrages schuldet der Architekt die mangelfreie Entstehung des Bauwerkes. Entscheidet sich der Bauherr für eine Dampfbremse und sieht die Planung eine Dampfsperre vor, so ist die Planung ohne weitergehende Änderung mangelhaft. Der Architekt muss also auch im Lauf des Bauvorhabens die Änderungswünsche des Bauherren berücksichtigen und die Pläne entsprechend anpassen.

Die Richter sahen außerdem eine Pflichtverletzung des Architekten, da er es versäumt habe, auf die Notwendigkeit einer Fachplanung für Bauphysik hinzuweisen. Spätestens nach der Entscheidung des Bauherren für eine Dampfbremse hätte er erkennen müssen, dass ein Fachplaner notwendig ist.

Infolge der fehlerhaften Planung erachteten die Richter auch die Objektüberwachung als mangelhaft an. Denn der Architekt habe eine mangelhafte Planung umgesetzt, was zu einem Mangel am Bauwerk führte.

Ein Mitverschulden des Bauherrn liegt zudem nicht vor. Zwar war die Berechnung des Unternehmers, den er im Rahmen des „Sponsoring-Vertrages“ selbst beauftragt hatte, unzureichend. Es bestand aber keine Obliegenheit des Bauherren gegenüber dem Architekten zur Vorlage einer Berechnung, vor allem da diese unter den vorliegenden Umständen sich als nicht ausreichend erwies und es die Pflicht des Architekten gewesen wäre, auf die Notwendigkeit einer Fachplanung hinzuweisen.

Ergebnis:
Relevanter Zeitpunkt für die Beurteilung der Mangelfreiheit der Architektenleistung ist der Zeitpunkt der Abnahme dieser Leistung. Planändernde Entscheidungen des Bauherren muss der mit der Planung und Bauüberwachung betraute Architekt daher auch noch während der Bauphase – gegebenenfalls gegen Zusatzvergütung – berücksichtigen.

Peter Matthias Astner, LL.M.

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
Lehrbeauftragter für Bau- und Architektenrecht an der Hochschule Rosenheim

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